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Interview von Katja Schweitzberger von refinery29.de

Bei dieser Designerin finden Braut & Braut die passenden Hochzeitsoutfits

  1. Wenn Mann und Frau heiraten, dann ist die Outfit-Verteilung meistens von vornherein klar. Er trägt einen Anzug, sie ein Kleid. Auch heute wird von dieser Tradition selten abgewichen. Aber wie sieht es aus, wenn zwei Frauen sich für eine eingetragene Lebenspartnerschaft entscheiden? Tragen beide Kleid oder beide Anzug? Stimmen sie ihre Looks aufeinander ab? Werden sie überhaupt im klassischen Brautmodegschäft fündig? Letztere Frage würden die Kundinnen von Helen Bender wahrscheinlich mehrheitlich mit “Nein” beantworten. Die Mainzer Designerin entwirft nämlich maßgefertigte Hochzeitsoutfits für gleichgeschlechtliche Paare – ganz nach deren Wünschen, Ideen und oft aufeinander abgestimmt. Wir haben mit Bender über die Idee hinter ihrem Label La Mode Abyssale, über die Entstehung der Brautoutfits, typische Klischees und die Reaktionen auf ihr modernes Konzept gesprochen!

    Wie entstand die Idee zu deinem Label für gleichgeschlechtliche Paare?

    2011 haben mich zwei Freundinnen angesprochen, ob ich nicht ihre Hochzeitslooks entwerfen möchte. Ich hatte zuvor schon mal Brautmode gemacht, aber mein Fokus lag eigentlich eher auf Streetwear. Dann sind aber die beiden auf mich zugekommen und haben sich zwei Outfits gewünscht, die sie nicht gegenseitig vor der Hochzeit sehen. Das Vertrauen der beiden hat mich motiviert. Also habe ich ihre Wünsche umgesetzt. Ihre Mütter haben mir dabei geholfen. Als dann die Hochzeit stattfand, waren gleich die nächsten beiden Frauen begeistert von meinen Entwürfen und dann hat sich das verselbstständigt. Eigentlich wolte ich mich nie im Leben selbstständig machen und auch Hochzeitsmode war nie mein Ziel.

    2013 habe ich dann mein Label gegründet. Da habe ich noch BWL studiert und mir mein Studium nebenbei damit finanziert. Die Resonanz war schon zu Beginn sehr positiv. Nachdem ich meine erste Pressemitteilung rausgeschickt habe (das war eigentlich eine Hausaufgabe der FH), habe ich sehr viel Aufmerksamkeit von Magazinen und Zeitungen bekommen und wurde sogar zur Fashion Week nach New York eingeladen. Auch dort wurde meine Kollektion super gut angenommen. Es hat sich dann alles Knall auf Fall entwickelt. Das hat mir den Mut für die Selbstständigkeit gegeben. Ich war in Deutschland – soweit ich weiß – die erste Designerin, die sich auf Brautmode für gleichgeschlechtliche Paare spezialisiert hat.

    Wie läuft die Entstehung der Brautoutfits ab?

    Die Anfragen kommen meistens per Email oder Telefon. Bis zum fertigen Kleid dauert es dann drei bis vier Termine. Zuerst gibt es ein ganz unverbindliches Beratungsgespräch, bei dem man am besten alles mitbringt, was einem gefällt, zum Beispiel Zeitungsausschnitte oder Bilder. Dann schauen wir, was wir vielleicht schon im Laden haben und was man zuschneidern könnte. Oder wir entscheiden uns für ein ganz neues Modell. Meistens stehen nach diesem Termin schon die Entwürfe. Ich zeichne parallel und wir wählen die Stoffe aus. Dann muss man auch herausfinden, ob die beiden Bräute ihre Looks voneinander vorher sehen wollen oder ob das getrennt geschehen soll. Meistens kommen die Paare zum ersten Termin zusammen. Dann machen wir auch die Beratung noch gemeinsam, doch dann entscheiden sich viele bei der Anprobe, dass es getrennt passieren soll. Die Überraschung wollen die meisten erleben.

    Dann folgt die erste Anprobe. Dann ist das Kleid schon weitestgehend fertig. Die Nähte sind allerdings noch offen und die Details können noch geändert werden. Dann sprechen wir alles ab und bei der dritten Anprobe ist das Outfit dann bereit zum Abholen. Bei Frauen, die weiter weg wohnen, machen wir die zweite Anprobe und die Abholung an zwei aufeinander folgenden Tagen. Im Hochzeitsstress ist es ja nicht so einfach so viele Termine zu machen.

    Wie sieht die Preisspanne aus?

    Bei der kompletten Anfertigung: zwischen 1600 und 2300 €
    Kleider von der Stange: zwischen 800 und 1200 €

    Was wird häufiger angefragt?

    Bei den Paaren gibt es eigentlich immer eine Frau, die sich ihren Look komplett anfertigen lassen will. Wenn die andere ein Outfit von der Stange wählt, versuchen wir dann etwas aus dem gleichen Material zu designen. Insgesamt wird mehr angefertigt.

    Welche Looks sind besonders beliebt?

    Wir machen viele Anzüge, weil es die nach den Vorstellungen der Frauen selten von der Stange gibt. Viele wünschen sich Modelle in Creme mit einem leichten Glanz in einem sportlich-cleanen Look. Wir arbeiten zum Beispiel viel mit einem Chino-Hosen-Schnitt und Blazern mit Kapuze. Die ist dann zum Beispiel aus Spitze gefertigt, um den sportlichen Look wieder ein wenig zu brechen und mit Eleganz zu vereinen. Zu verspielt sind die Schnitte aber nie.

    Also gehen die Wünsche schon vom klassischen Look eines großen Hochzeitskleids weg?

    Ja, auf jeden Fall. Diese typischen Prinzessinnenroben mit Glitzer und Spitze gibt es bei mir kaum. Meine Entwürfe gehen eher in die Richung schlicht, reduziert, mal vintage-inspiriert oder moderner Chic. Für diesen Look kommen unsere Kundinnen auch.Beeinflussen dich dann überhaupt klassische Brautmodentrends?Ich schaue mir das mal an, aber es beeinflusst mich kaum. Ich könnte es mir auch gar nicht leisten, solche Kleider in den Laden zu hängen.

    Was war die ungewöhnlichste Anfrage?

    Das war tatsächlich eine Bermuda-Shorts und ein Hemd. Das war natürlich auch aufwendig im Schnitt und der Anfertigung, trotzdem setze ich eben meistens noch mehr auf Details. Aber da war gar kein Bedarf da, es sollte einfach ganz schlicht sein. Die Braut hat dann in dieser Kombination geheiratet mit Nike-Sneakern dazu. Die andere Braut hatte wiederum eine Marlene-Hose an. Auch die Farben der beiden Looks haben nicht zusammengepasst. Das wollten die beiden aber uch gar nicht.

    Wenn man an lesbische Paare denkt, haben viele oft noch gewisse Klischees im Kopf, dass eine von beiden immer androgyner aussieht als die andere. Wie sind da deine Erfahrungen?

    Das bestätigt sich schon oft. Auch wenn ich die Frage “Wer ist bei euch der Mann?” selbst total blöd finde. Die Hose wird dann immer automatisch als typisch männlich eingeordnet. Aber natürlich kommt es vor, dass sich die Frauen in Kleidern nicht ganz so wohl fühlen. Oft geht es dann aber beiden Bräuten so. Generell wollen sie aber trotzdem, dass die Hosen feminin geschnitten werden. Das Klischee kommt also nicht ganz von ungefähr, trotzdem wollen die meisten feminin aussehen. Egal, ob sie ein Kleid oder eine Hose tragen.MeineFrau hatte zum Beispiel bei unserer Hochzeit 2014 einen Einteiler an, aber mit einer langen Schleppe. Dadurch sah es von hinten so aus als hätte sie ein bodenlanges Kleid an. Die Schleppe konnte man aber später auch abnehmen.

  2. Wie ist das denn bei eurer Hochzeit abgelaufen? Wer hat da die Looks gemacht?Ich habe natürlich beide Outfits entworfen. Das war sogar ein Look, den ich damals schon mit in New York hatte. Da hat meine Freundin gleich gesagt, dass sie in so einem Entwurf auch mal heiraten möchte. Das hat mich natürlich sehr gefreut. Ich habe dann ihren Look genäht, weil sie es sich so gewünscht hat. Mein Outfit hat eine befreundete Schneiderin gemacht.Was bedeutet der Name deines Labels?

    Abyssale heißt grenzenlos und kommt aus dem Französischen bzw. Ozeanischen. Ich habe ihn damals gewählt, weil der Namen einfach schön klingt und weil man viel darunter fassen kann. Ich wusste da noch gar nicht, dass es in Richung Hochzeitsmode geht. Mittlerweile passt der Name aber immer besser.

    Wie groß ist dein Team heute?

    Ich arbeite zum Glück nicht mehr allein. Ich beschäftige zwei festangestellte Schneiderinnen und diese Woche startet unsere erste Auszubildende. Da freue ich mich sehr drauf. Außerdem gibt es noch zwei Schneiderinnen, die auf Stundenbasis arbeiten.

Quelle: http://www.refinery29.de/helen-bender-entwirft-brautmode-fuer-gleichgeschlechtliche-paare#slide-5

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